Tag 5 – Tour durchs Hinterland
Nachdem wir den einen oder anderen Küstenabschnitt erkundet haben, stand für heute eine Tour durchs Hinterland auf dem Plan. Erstes Ziel war der Ort Borgo Parrini, der im 17. Jahrhundert von Jesuiten gegründet wurde, dann irgendwann an Bedeutung verlor und von einem lokalen Unternehmer durch ungewöhnliche Sanierungsarbeiten in Anlehnung an den Stil Antoni Gaudis wiederbelebt wurde. Heute gibt es dort einige Geschäfte, Bäckereien und Restaurants. Einige der Häuser sehen noch sehr heruntergekommen aus. Dem Baulärm nach wird dort aber immer noch gearbeitet und es ist zu erwarten, dass weitere Häuser umgestaltet werden. Wir sind einfach nur durch den Ort geschlendert und haben dafür knappe 30 Minuten benötigt. Es gibt einen kostenpflichtigen Parkplatz, der auch als Wohnmobilstellplatz fungiert.




Da wir noch nicht gefrühstückt hatten, haben wir in Sichtweite des Lago Poma angehalten. Dieser Stausee ist künstlich angelegt und soll die umliegende Landwirtschaft und auch die Bevölkerung mit Wasser versorgen. Seit 1994 ist das Gebiet auch eine geschützte Zone für verschiedene Tierarten, das hält aber die Einwohner nicht davon ab, an jeder möglichen und unmöglichen Stelle ihren Müll abzuladen.

Als besondere Überraschung hatte der Gatte noch einen „Zwischenstopp“ in der Area Archeologica del Monte Iato eingeplant. Nach dem sich die tierische Straßensperre aufgelöst hatte, konnten wir die Fahrt dorthin fortsetzen. Hier handelt es sich um eine historische Ausgrabungsstätte, deren Ursprünge auf ungefähr 550 vor Christus zurückreichen. Das Areal liegt auf ca. 850 Meter, die vom Haupteingang zu Fuß erreicht werden müssen, die Entfernung bis dorthin sind ungefähr zwei Kilometer mit einem nicht zu unterschätzenden Anstieg. Die Stätte macht einen recht verwilderten Eindruck und die Anzahl der identifizierbaren Gebäude ist überschaubar. Ganz witzig ist, dass man das Ticket online buchen muss und dieses digitale Ticket dann einem menschlichen Kontrolleur vorzeigt, um eintreten zu dürfen. Uns hat dieser Ausflug ordentlich Zeit gekostet, für den Hin- und Rückweg sollten schon gut zwei Stunden eingeplant werden.




Da ja Sizilien die Heimat der Mafia ist, durfte natürlich der Besuch in Corleone nicht fehlen. Das war als unser nächstes Ziel. Hier haben wir uns nicht lange mit der Stadt aufgehalten und sind in eines der beiden Museen zum Thema Mafia gegangen. Dabei handelte es sich um ein sogenanntes Home-Museum, das „God Father’s House“. Die Familie hat vor ca. fünf Jahren ein altes Haus gekauft und erklärt darin die Entstehung und Struktur der Mafia bei einer geführten Tour durch das Haus. Die Führung ist recht kurzweilig, auf Englisch mit sehr starken italienischen Akzent und deshalb nicht ganz einfach zu verstehen. Wie hoch der Wahrheitsgehalt der angebotenen Informationen ist, können wir nicht abschätzen, vermutlich ist es aber eine Mischung aus eigener Meinung der Besitzer, Hörensagen und echten Berichten.







Das letzte Ziel für diesen Tag, den Ort Piana degli Albanesi, haben wir auf einem echt abenteuerlichen Weg erreicht. Die Nebenstraße, die den kürzesten Weg verhieß, verdient den Namen Straße eigentlich nicht. Teilweise waren die Schlaglöcher so tief, dass ich dachte unser kleiner Leihwagen käme dort nie wieder raus. Kurz vor dem Dunkelwerden sind wir dann doch noch angekommen und konnten einen alten Bekannten, den albanischen Nationalhelden Skanderbeg begrüßen. Der Ort wurde um 1500 von albanischen Auswanderern gegründet, die vor einer türkischen Invasion geflüchtet waren. Auch heute wohnen dort hauptsächlich Menschen albanischen Ursprungs und teilweise wird dort auch noch eine alte albanische Sprache gesprochen. Neben etlichen Kirchen ist in dem Ort auch eine Art Street-Art-Gallery zu besichtigen. Die Bilder wurden einfach auf Hauswände gemalt, die wir noch im letzten Tageslicht anschauen konnten.







Nach einer abenteuerlichen Rückfahrt auf dunklen italienischen Landstraßen sind wir wieder in Terrasini angekommen und haben in einem Restaurant direkt neben der Ferienwohnung sehr gut zu Abend gegessen. Preislich waren wir etwas überrascht: Wo bekommt man noch für acht Euro eine richtig gute Pizza? Wäre es nicht schon dunkel gewesen, dann wäre sogar noch Meerblick kostenfrei dabei gewesen.


