Auf den Spuren des Königreichs Sardinen
Auf den Spuren des Königreichs Sardinen

Auf den Spuren des Königreichs Sardinen

Tag 13

Gestern standen ja die Fahrräder still, also gab es heute eine größere Entdeckungsreise im Westen Sardiniens. Von unserem aktuellen Campingplatz Agricamping Murtas di Guliano, zu dem ich später noch kurz etwas schreiben werde, sind wir heute zu einem Salzsee gestartet. Dieser war komplett ausgetrocknet und ich habe mal wieder Salz direkt am Entstehungsort gekostet. Als wir so auf dem See herumspaziert sind, kam uns dann ganz spontan die Idee, direkt darüber zu fahren und nicht auf dem Weg daneben. Das ging auch eine ganze Weile gut, bis wir bemerkt haben, dass gerade in der Mitte des Sees nur die oberste Schicht getrocknet war, wir diese aber mit unseren Fahrradreifen abgelöst und schön an unsere Reifen geschmiert haben. Also fix an den Rand fahren, um die nächste Möglichkeit auf den Weg zu gelangen auch zu nutzen. Also ging es weiter in Richtung Pinienwald. Die Schilder, dass dort das Betreten verboten sei, haben wir ganz gekonnt ignoriert, unser Italienisch ist ja auch nicht so toll …


Die Fahrt durch den Wald war natürlich sehr angenehm, da wir uns ja meist im Schatten bewegt haben. Irgendwann trafen wir dann auf einen Bauarbeiter, dieser Pinienwald beherbergte unter anderem eine private Golfanlage, an der gearbeitet wurde. Er sprach uns an, vielleicht sagte er so etwas wie „Ihr dürft hier nicht lang fahren“, aber nach einem kurzen Scusi und Schulterzucken machte er eine Handbewegung, dass wir uns verdünnisieren sollten – Tour gerettet, umdrehen hätte noch einen richtigen Umweg bedeutet. Warum der Wald eigentlich nicht betreten werden sollte, haben wir dann beim Verlassen gesehen: Es gibt keine Brandschutzmittel, für den Fall, dass etwas passiert. Also waren wir hier mal ordentlich illegal unterwegs.

Irgendwann meldete sich dann auch ein Hungergefühl. Unserer Vorrat an Backwaren war morgens aufgebraucht worden und wir hatten nichts zu futtern dabei. Also kurz die Gegend gecheckt und ein Ort mit Einkaufsmöglichkeiten wurde angesteuert. Auf wundersame Weise kamen wir so zu einem Besuch in dem Ort S’Archittu. Von dort hatten wir in 2022 schon einmal für drei Wochen den Westen von Sardinien unsicher gemacht. – Was für ein schöner Zufall. Direkt an der Strandpromenade hatten wir dann einen kleinen Imbiss, in dieser Pizzeria hatten wir auch schon 2022 gespeist. Natürlich wurde auch der örtliche Eisladen besucht – wir kannten uns ja fast noch aus. Anschließend wurde der Rückweg angetreten, diesmal natürlich nicht durch den Pinienwald. Der Alternativweg war leider für Fahrräder nicht geeignet, es war richtiger Strandsand und absolut nicht befahrbar. Also hatten wir eine ordentliche Schiebe-Etappe, bevor wir uns wieder auf die Räder schwingen konnten und das Ziel auch wieder erreicht haben. Nach einem erfrischenden Bad im Meer gab es dann ein fertiges Pasta-Gericht. Eine Gastronomie ist auf dem Platz nicht vorhanden, hätten wir uns nach den 64 Kilometern sonst sicher gegönnt.

Noch einmal kurz zum Platz. Es ist hier sehr einfach, die Ausstattung ist noch ausreichend und wirklich nicht mehr als zweckmäßig. Es gibt auch alle Entsorgungseinrichtungen, die man als Camper so benötigt. Es sieht zwar teilweise etwas abenteuerlich aus, aber funktioniert trotzdem und der Preis ist wirklich günstig: Der Camper kostet 20 Euro die Nacht, das kleine Zelt 15 Euro und der Stromanschluss noch einmal fünf Euro. Die Preise wurden vermutlich von den älteren Herren, die an der Rezeption sitzen, gewürfelt. Den Platz zeichnet einfach die Lage aus, Sichtweite zum Meer und die absolut beeindruckenden Sonnenuntergänge hier an der Westküste.

Tag 14

Heute hieß es wieder packen und die Ameisen aus den Outdoormöbeln zu vertreiben, diese haben sich dort ziemlich wohlgefühlt und wollten von allein einfach nicht gehen. Viele haben wir erwischt, die eine oder andere wird wohl noch durch den Kofferraum irren. Bei der Bezahlung wurde auch noch der Stromanschluss vergessen und der Aufenthalt dadurch noch einmal günstiger. Auf einem anderen Platz hätten wir sicher darauf hingewiesen, aber hier war die Versorgung so schlecht, dass nicht einmal Camper und das Ladegerät vom E-Bike gleichzeitig angeschlossen werden konnten. Also haben wir diesen Vergesslichkeitsrabatt stillschweigend hingenommen.

Für die Anreise nach Alghero haben wir uns für die Küstenstraße entschieden. Diese Strecke dauert zwar etwas länger, ist aber für Genießer der Landschaft deutlich angenehmer. Der Campingplatz in Alghero liegt direkt am Stadtrand und wir haben ohne Probleme einen Platz bekommen. Mit dem Fahrrad fährt man 10 Minuten in das Zentrum und es gibt hier sogar richtige Fahrradwege. Am Abend gab es dann noch einen Stadtrundgang und anschießend noch ein Essen im Restaurant. Wir sind nur eine Nacht hier, da lohnt es sich nicht, den ganzen Krempel auszupacken und aufzubauen.

Tag 15

Heute Morgen sollte es eigentlich schnell gehen, da wir ja Alghero möglichst zeitig verlassen wollten, um auf die Inselgruppe La Maddalena zu gelangen. Kühlschrank, zusätzliche Kühlbox und die Camperlüftung hatten aber unsere Bordbatterie leer gesaugt und wir mussten erst einmal in die Sonne rollern um über die Solarpanels Strom zu tanken. Ohne dies hätten wir die Trittstufe nicht einfahren können und dann gibt es beim Fahren so einen nervigen Warnton. Wieder was dazugelernt: Man sollte auch die Batterie im Blick haben. Mit einer kleinen Verspätung konnten wir dann nach Palau starten, von dort gibt es viele Fähren auf die kleine Insel im Nordosten.

Die Fahrt war wieder sehr abwechslungsreich und die Bergetappe kurvig und spannend. Ansonsten trafen wir auf den Straßen Sardiniens häufig Kühe, Esel oder Ziegen an – heute war alles anders: Ein mit Müll beladener Pickup verlor einen Teil seiner Ladung, inklusive eines Kinder-Quads. Der besonnene Fahrer leitete eine smarte Bremsung ein, umschiffte das Hindernis, ohne die Insassen und das Gefährt in Gefahr zu bringen. Der Kameramann, der Gatte, war zu langsam – darum leider keiner Bilder dieser Aktion.

In Palau haben wir uns dann schnell ein Ticket für die Überfahrt gekauft und waren erst einmal über den Preis von 75 Euro schockiert. Als dann aufgeklärt wurde, dass die Rückfahrt inklusive ist, entspannte sich der Blutdruck ganz spontan. Wir haben dann unser Terminal gesucht und wurden überall gleich durchgewunken, die Eile haben wir gar nicht verstanden, es war laut Fahrplan auf der Rückseite der Karte noch eine halbe Stunde Zeit. Kurz darauf hat sich Fähre dann auf einmal bewegt, das Ablegen haben wir gar nicht mitbekommen und der Zeitpunkt passte auch gar nicht zu den Daten. Die Überfahrt dauert auch nur knapp 15 Minuten. Dabei kommt man an der Insel Santo Stefano vorbei.

Diese hat eine Vergangenheit als Gefängnisinsel, war sogar einmal eine eigene Republik – zumindest für ein Jahr. Hier gibt es ein paar weitere Informationen.

Vom Anleger in La Maddalena bis zum Campingplatz dauerte es nur 10 Minuten. Wir hatten uns dort auf eine sogenannte Willkommensliste setzen lassen, dass bedeutet in diesem Fall aber gar NICHTS. Wir hatten einfach Glück, dass wir noch einen der wenigen schattigen Plätze bekommen haben. Der Platz selbst ist nicht besonders groß, hat relativ neue Sanitäranlagen und kostenlose Waschmaschinen und auch die nötigen Entsorgungsstationen, die ein Camper braucht. Mein Highlight sind die Duschkabinen ohne Dach, da kann man sich entscheiden, ob man beim Duschen in den blauen Himmel schaut oder auf die Pinien, auch mit blauem Himmel. Bei Google wurden diese Duschen kritisiert, ich finde die besonders toll.

Etwa eine Minute vom Campingplatz entfernt gibt es einen Supermarkt, dort haben wir uns für heute ein Grillmenü aus verschiedenen Fleischspießen, Tomini (ein Weichkäse) im Speckmantel und Thunfisch ausgesucht. Der Junior hat heute einen Teil des Grilldienstes übernommen, nur beim Tonno habe ich die Grillzange zurückgefordert.

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