Tag 2 Stadtrundgang Palermo
Heute ging es für uns in die Hauptstadt Siziliens: Palermo. Von unserem Wohnort Terrasini fährt man überschaubare 45 Minuten und davon auch den größten Teil auf der Autobahn. Bis dahin ist alles unspektakulär, aber irgendwann kommt man dann automatisch in die Stadt. Man erkennt es eigentlich nur an der reduzierten Geschwindigkeit und ab da an wird es wirklich spannend. Roller und Motorräder sind allgegenwärtig und verlangen mit ihren kamikazeartigen Fahrmanövern absolute Aufmerksamkeit. Wir haben unsere Strecke zum Parkhaus am Kinderkrankenhaus unbeschadet überstanden. Das Parkhaus haben wir ausgewählt, da dieses im Gegensatz zu den öffentlichen Parkmöglichkeiten überwacht ist und wir keine Laufereien wegen Vandalismus am Leihwagen haben wollten. Die Einfahrt ist schon ungewohnt, da es hier keine Rampe zum Auffahren gibt. Das Auto wird mit einem großen Lift in die entsprechende Etage transportiert.
Nachdem dieses Manöver geschafft war, haben wir dann gleich Kurs auf eine Kirchturmbesteigung genommen und waren mit einem günstigen Preis von drei Euro pro Person recht schnell über den Dächern der Stadt. Zum Aufstieg wurden Helme verteilt, da die Höhe der Wendeltreppe sehr niedrig war und ohne die Helme hätte es wohl den ein oder anderen schmerzhaften Kontakt von Kopf und Treppenstufen gegeben.


Gleich nebenan gab es dann noch eine weitere und auch deutlich beeindruckendere Anlage, bei der wieder die arabischen, normannischen und byzantinischen Baustile miteinander vereint wurden. Diese Anlage war auch deutlich größer und beeindruckender als der kleine Nachbar. Der Eintritt war mit acht Euro pro Erwachsenem zwar teurer, aber dafür war der „Junior“ mit seinen 17 Jahren wieder als Kind kostenfrei. Falls es euch einmal nach Palermo verschlägt, dann schaut nach der Kirche mit den Kuppeln, da bekommt man einfach mehr zu sehen.




Wir haben dann eine richtig große Stadtwanderung folgen lassen, vorbei an ganz vielen tollen Gebäuden und Plätzen. Natürlich sind wir auch durch Seitenstraßen gewandert, die einen waren ganz toll herausgeputzt, bei anderen hatten wir den Eindruck, dass gleich alles zusammenfällt. Gefühlt hat es in noch keiner der von uns besuchten italienischen Städte diese Enge Nachbarschaft zwischen Verfall, gekonnter Sanierung und Neubau gegeben. Ich lasse hier jetzt einfach ganz viele Bilder sprechen und der geneigte Leser kann sich sein eigenes Bild machen.




Das Müllproblem in Palermo ist allgegenwärtig und davon sind sowohl die hergerichteten als auch die vom Verfall bedrohten Straßenzüge betroffen. In der Literatur steht auch, dass sich dieses Müllproblem über die ganze Insel erstreckt.
Palermo ist auch für sizilianisches Streetfood bekannt und das wollten wir heute auch ausprobieren. Nach ungefähr der Hälfte der Strecke meldete sich dann auch das erwartete Hüngerchen und wir haben uns eine Speiseausgabe gesucht, die genau dies auch anbot. Wir hatten also Arancini (frittierte Reisbälle mit verschiedenen Füllungen), Crocché di patate/Cazzilli (eine Art sizilianische Kroketten), Panelle (sizilianisches Krapfengebäck aus Kichererbsenmehl) und richtig knusprige Mozarellakugeln. Das Essen war schon sehr lecker, lag aber besonders mir recht schwer im Magen. Wir hatten aber noch einmal fünf Kilometer vor uns und dabei konnte das Völlegefühl sehr gut abgebaut werden.




Auch im zweiten Teil der Tour setzten sich die ständig wechselnden Eindrücke fort. Wir haben auch noch einen im Abbau befindlichen Markt durchquert. Ich bin eigentlich bei diesem Thema immer schnell Feuer und Flamme, hier hielt sich die Begeisterung arg in Grenzen.







Nach knapp fünf Stunden, inklusive Pause, und über 20.000 Schritten konnten wir das Auto wieder mit dem Aufzug aus dem Parkhaus bugsieren und den Heimweg im beginnenden Feierabendverkehr als erneutes Abenteuer starten.
Auf der Rückfahrt haben wir festgestellt, das Palermo interessant war und sicher auch polarisiert. Entweder man mag die Stadt oder hält sich vornehm zurück. Bei uns wird es für einen erneuten Besuch nicht reichen. Wir waren jetzt einmal da, haben viel gesehen und Eindrücke aufgenommen. Die Insel ist als erneutes Ziel durchaus denkbar, dann aber mit einem anderen Ort als Schwerpunkt.