Tag 5
Diese Nacht haben wir ja auf der Fähre nach Sardinien verbracht und wurden morgens vom Fährpersonal durch Klopfen an der Tür geweckt. Nach der Morgentoilette haben wir unser Frühstück an der Reling eingenommen und die Einfahrt in den Hafen von Olbia beobachtet. Dieses Manöver zog sich irgendwie ziemlich lange hin. Ich glaube, die Fähre fuhr auch langsamer als die anderen Fähren, mit denen wir bisher gefahren sind. Auf jeden Fall haben wir den Hafen sicher erreicht und dank unserer gut Startposition waren wir auch schnell von der Fähre wieder runter.

Die Anreise durch die Berge war wieder spektakulär, da man im Camper ja auch weiter oben sitzt als in einem PKW kann man auch noch viel besser in die tiefen Täler schauen. Auf dem Weg sind wir durch den Ort Baunei gefahren, dort gibt es eine tolle Eisdiele, die Eis aus der Milch der lokalen Ziegenbauern herstellt. Glücklicherweise war das Geschäft schon geöffnet, also den Camper in den nächsten freien Parkplatz quetschen und genießen. Dieses Eis ist wirklich ein Gedicht, mehr muss man dazu gar nicht schreiben.



Unser erstes Ziel auf der Insel war der Campingplatz Mare Blu in der Nähe von Santa Maria Navarese, in diesem Ort hatten wir unseren ersten Urlaub auf Sardinien vor acht Jahren verbracht. Für uns also ein Ort mit Geschichte. Wir stehen hier nun mitten unter Pinien und freuen uns über die natürliche Verschattung. Das Meer ist direkt vor der Haustür und nach dem Aufbauen sind wir direkt erst einmal abgetaucht. Am Abend haben wir uns dann noch mit Freunden, die wir bei dem ersten Sardinien-Urlaub kennengelernt hatten, zum Essen getroffen. Es gab dort auch typisch sardische Gericht und so habe ich mir ein Schafsteak gegönnt. Dabei muss man wissen, dass auf Sardinien das gesamte Tier verarbeitet wird und so musste ich das Fleisch erst vom Fett befreien, dann war es aber sehr lecker.

Tag 6

Den heutigen Tag haben wir bewusst früh starten lassen, da wir mit dem Fahrrad noch einmal nach Baunei fahren wollten. In Zahlen heißt das, auf 10 km Strecke einen Höhenunterschied von 450 m zu bezwingen. Deshalb die „kühlen“ morgendlichen Temperaturen ausnutzen, um den Aufstieg auch wirklich zu meistern. Nach 55 Minuten reiner Fahrzeit und mehrere Pausen waren wir an unserem Ziel im Zentrum angekommen und waren, was die Fahrzeit angeht, im von Komoot berechneten Bereich.

Kurzes Durchatmen und auf ging’s zu unserem Termin bei einem örtlichen Goldschmied, bei dem wir uns zum Zuschauen angemeldet hatten. Wir wollten wissen, wie die berühmte sardische Filigrantechnik entsteht. Mario von Sa Nacara hat uns herzlich willkommen geheißen und war auf unseren Besuch vorbereitet. Wir starteten mit dem Schmelzen von Silber bei einer Temperatur von 1.000 Grad. Danach wurde der schmal gegossene Barren mit einer Walze immer weiter gestreckt, bis man irgendwann beim Draht angekommen ist. Um den kompletten Prozess zu durchlaufen, wären mehre Stunden nötig gewesen, also gab es an der einen oder anderen Stelle schon vorbereitete Halbzeuge. Aber wir konnten uns gut vorstellen, wie viele Schritte insgesamt nötig sind, um das Ausgangsmaterial, einen Draht von vier Millimetern Durchmesser zu erzeugen. Wir durften auch selbst bei der Drahtherstellung helfen und vielleicht hat unser Junior nun auch einen neuen Berufswunsch. Der fertige Draht wird dann noch einmal doppelt gelegt und miteinander verdrillt. Dazu benutzte Mario keine Maschine, sondern zwei Wacholderbrettchen, mit denen er diese Arbeit erledigte. Dieser verdrillte Draht ist dann die Grundlage von vielen Schmuckstücken, die in der Werkstatt hergestellt werden. Anschließend wurden wir noch auf einen „Aperitivo“ eingeladen und dabei zum abendlichen Besuch des Showrooms in Santa Maria, wo wir auch seine Frau kennenlernen durften. Ein wirklich sehr herzliches Paar, das uns noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird. Einen Überblick zu den Arbeiten findet ihr hier: https://www.sanaccara.it und auch bei Facebook und Instagram wird man unter diesem Namen fündig.







Da wir ja morgens den Berg hinauf gefahren sind, mussten wir ja auch wieder runter. Dies war auch trotz der Mittagssonne recht entspannt, zumindest bis zu dem Punkt, wo ich in eine Geröllspur gekommen bin und mein Fahrrad keine Lust mehr hatte, geradeaus zu fahren. So habe ich also unfreiwilligen Kontakt mit dem Erdboden aufgenommen und meine Knie bekommen nun neue Haut. Außer den Abschürfungen gab es keine weiteren Schäden, Mensch und Maschine sind gesund und die Tour konnte weitergehen. Der Gatte hatte am Ende der Strecke noch eine Flussdurchfahrt eingeplant. Normalerweise sind die kleineren Flüsse auf Sardinien im Sommer trocken, dieser aber nicht. Also sind wir dann einfach mit nassen Füßen weitergefahren, bei den aktuellen Temperaturen auch kein Problem. Den Rest des Nachmittages haben wir dann am Strand verbracht, Salzwasser und Sonne sind bei Schürfwunden ja absolut hilfreich. Für den Abend hatten wir uns wieder Antipasti organisiert, die schmecken ja vor Ort einfach am besten.



