Tag 4 Erice und Trapani
Von Tag zwei auf Tag vier, ja, kann der denn nicht zählen? Doch kann er! Gestern wollten wir in das Naturreservat Zingaro wandern und baden gehen. Aber die Bergtour ging bei mir einfach nicht, da waren noch zu viele Schritte aus Palermo in den Waden und diese haben signalisiert: „Lass es bleiben!“ – also haben wir die Tour abgebrochen und uns einen anderen Zugang zum Wasser gesucht. Die Temperatur war gut auszuhalten und es waren wenig Leute im Wasser.
Dafür haben wir uns für heute gleich zwei tolle Ziele ausgesucht: Erice, eine uralte Stadt auf gut 750 m Höhe auf dem gleichnamigen Monte, und die Küstenstadt Trapani. Beide Ziele sind mit dem Auto nur 30 Minuten voneinander entfernt und sogar über eine Seilbahn miteinander verbunden.
Nach Erice haben wir die Anreise mit dem Auto über ganz viele Serpentinen gewählt und sogar noch einen der letzten kostenfreien Parkplätze in Ortsnähe abbekommen. Für die vielen begehbaren Sehenswürdigkeiten gibt es auch eine spezielle Erice-Card, auf die haben wir aber verzichtet. Wir wollten die Stadt erst einmal so wirken lassen. Die weit zurückreichende Geschichte spiegelt sich auch in der Architektur und der Aufteilung der Stadt wieder, es gibt zum Beispiel ein spanisches und ein arabisches Viertel, die Stadtmauer wurde von den Puniern designed, einige der Türme stammen aus der normannischen Zeit. Die reichlich vorhandenen Kirchen stammen entweder aus unterschiedlichen Epochen oder wurden immer wieder umgestaltet. Im Mittelalter gab es dort etliche Klöster.












Heute ist die Stadt touristisch sehr gut erschlossen und sicher kein Geheimtipp mehr – die Menschen werden ja sogar in Bussen dorthin gefahren – aber auf jeden Fall sehenswert. Es gibt unzählige Souvenirläden, Keramikateliers, Restaurants und Weingeschäfte. Keramik und Wein sind typisch für den Ort und vermutlich noch auf die Einflüsse der Klöster im Mittelalter zurückzuführen. Für uns hat die Stadtwanderung völlig ausgereicht und in das eine oder andere Gebäude konnte man ja auch im Vorbeigehen einen Blick werfen. Da wir bei unserer Erkundung teilweise durch Nebel oder Wolken unterwegs waren, hatte der Ausflug auch noch eine mystische Komponente. Falls wir noch einmal hierher kommen, planen wir gleich einen ganzen Tag ein und dann lohnt sich sicher auch die Erice-Card.

Weiter ging es dann nach Trapani. Die Stadt liegt auf einer Landzunge und war vermutlich im 13. Jahrhundert ein natürlicher Hafen für Erice und andere Orte. Wenn man in die Stadt hineinfährt bemerkt man gleich: Das ist ganz anders als Palermo. Es gibt viele Bäume an den Straßen und es ist auch weniger Müll sichtbar. Ich kann nicht sagen, es gibt keinen Müll auf den Straßen, aber es ist deutlich angenehmer als in Palermo. Auch an der Architektur kann man sehen: Der Stadt ging und geht es vermutlich heute noch gut. Mittlerweile gibt es verschiedene Häfen, Industrie- und Fährhafen haben wir gesehen, und wer weiß, welche Häfen es noch gibt, die den einen oder anderen Euro in die Stadtkassen spülen.







Wir haben die Altstadt erkundet und für sehenswert befunden. Zwischendurch haben wir ein spätes Mittagessen mit sizilianischen Gerichten zu uns genommen. Dem schlurfenden Kellner konnte man wirklich gut ansehen, das er überhaupt keinen Bock hatte, uns zu bedienen. Beim Essen fehlte die Vorspeise, die wurde einfach vergessen. In der Küche schien die Motivation etwas besser zu sein, denn geschmacklich waren die Speisen sehr gut. Für die schlechte Performance im Service konnte ich mich trotzdem nicht zu einem Trinkgeld durchringen.
Auf dem Rückweg haben wir noch bei einem örtlichen Supermarkt angehalten, um noch einige Kleinigkeiten zu besorgen. Durch den Streik der LKW-Fahrer sieht es in einigen Märkten sehr leer aus, besonders in der Obst- und Gemüseabteilung. Wir werden bis zum Ende des Urlaubs keine Not leiden, es ist aber ein sehr ungewohnter Anblick.
