Auf den Spuren des Königreichs Sardinen
Auf den Spuren des Königreichs Sardinen

Auf den Spuren des Königreichs Sardinen

Tag 11

Nachdem wir uns gestern auf San Pietro so richtig ausgepowert hatten, sollte es heute etwas ruhiger werden. Den Vormittag haben wir auf dem Platz verbracht, so ein Blog will ja auch geschrieben werden. Am Nachmittag haben wir uns dann wieder auf das Fahrrad geschwungen und sind in die gleichnamige Stadt Sant’ Antioco gefahren, um das dortige archäologische Museum zu besuchen. Vorab haben wir uns noch die Stadt angesehen und dabei eine ganz lustige Begegnung mit einem englischen Auswanderer gehabt.

Wir hatten uns zwei bemalte Gebäude angeschaut und wollten gerade weiterfahren, als jemand hinter uns herrief: Er hätte etwas für uns. Wir waren schon etwas verwundert, haben dann aber trotzdem angehalten und wurden mit zwei Flaschen kaltem Wasser belohnt. Die Erklärung dazu war ganz simpel: Er hatte uns mit dem Fahrrad dort entlang fahren sehen und sich gedacht, die Leute benötigen eine Erfrischung – nach dem Motto: Wenn du dich um andere Menschen kümmerst, kümmern sich in Zukunft auch andere Menschen um dich, wenn du es nötig hast. Das Gespräch dauerte doch etwas länger und wir haben eine spannende Geschichte eines Briten, der ein Jahr in Deutschland als Chefkoch gearbeitet hatte, um dann in die USA auszuwandern und dort sein eigenes Geschäft zu gründen, dieses nach über 20 Jahren zu verkaufen und seinen Ruhestand auf Sant’ Antioco zu verbringen – wirklich spannend und das so nebenbei. Mit den Worten, er sei ein Schwätzer und das wüssten wir nun, haben wir uns dann freundlich verabschiedet und bedankt und mussten erst einmal an der nächsten Eisdiele einen Produkttest durchführen.

Anschließend haben wir das archäologische Museum besucht. Für uns eine sehr gelungene Ausstellung, sehr gute mediale Unterstützung und wirklich eindrucksvolle Exponate. Besonders dabei war der sogenannte Tophet, dort wurden Kinder, die vor der Aufnahme in die Gemeinschaft gestorben sind, in kleinen Urnen beerdigt. Eine Zeit lang wurde auch vermutet, dass dort die Erstgeborenen verschiedenen Göttern geopfert wurden, diese Annahme konnte aber widerlegt werden.

Auf dem Rückweg haben wir noch einen der lokalen Nahversorger angesteuert und zum Abendessen Culurgiones erworben. Diese leckeren Teigtaschen stammen zwar ursprünglich aus der Ogliastra, also unserem ersten Halt auf Sardinien, haben uns aber auch hier geschmeckt. Das Rezept habe ich auch hier im Blog in der Kategorie Kochen hinterlegt. Für die ganz Ungeduldigen hier noch mal der schnelle Querverweis:

Tag 12

Heute haben wir wieder einmal den Standort gewechselt: Von Sant’ Antioco ging es mit zwei Zwischenstopps an die Westküste von Sardinien. Die Fahrräder hatten heute einen Ruhetag und unsere Beine mussten heute im Camper stillhalten oder eben etwas laufen.

Der erste Halt war in Borgo di Tratalias, einem aufgegebenem Ort, vielleicht besser als „Lost place“ bekannt. Der Ort wurde vermutlich um das Jahr 1.000 gegründet, hatte eine durchaus wechselvolle Geschichte und war zwischenzeitlich sogar Bischofssitz. 1951 wurde in der Nähe ein künstlicher Stausee errichtet, der den Grundwasserspiegel im Ort veränderte. Dies führte zu Unterspülungen der Fundamente oder auch zu Schimmelbildung in Gebäuden. Diese Änderungen taten den Bewohnern nicht besonders gut und der Ort wurde aufgegeben. Im alten Ort gibt es heute noch einige historische Gebäude, die auf Grund ihrer erhöhten Lage nicht von den Wasserproblemen betroffen sind. Diese wurden aufwändig saniert und werden heute als Freilichtmuseum oder anderweitig touristisch genutzt. Uns kam der Ort nicht als Geisterstadt vor, sondern eher touristisch aufbereitet. In ein paar Jahren zahlt man dort sicher Eintritt, um ein paar alte Häuser zu sehen. Wir haben vor acht Jahren den Ort Gairo in der Ogliastra gefunden, das war eine echte Geisterstadt. Die Bewohner hatten damals gleich mehrere neue Orte gegründet und als wir dort waren, war sogar das Parken im Ort illegal. Bei dieser Besichtigung hatten wir richtig Spaß und das Gefühl, etwas wirklich Verbotenes zu tun.

Weiter ging es dann zum Parco Archeologico di Monte Sirai – der Gatte versorgt uns ja immer wieder mit Ausflügen in die Geschichte und warum sollte dies in diesem Urlaub anders sein. Die Anlage befindet sich auf einem Hügel, die Bezeichnung Monte ist hier echt etwas übertrieben. Man hat aber einen tollen Blick in die Landschaft und auf das Meer, auch Sant’ Antioco, unser vorheriger Standort, war von dort aus auch zu sehen. Die ehemalige Stadt wurde wie auf Sardinien üblich durch mehrere Kulturen genutzt und immer wieder umstrukturiert. Die Punier hatten dem Ort den „letzten Schliff“ gegeben, es soll dort sogar Häuser gegeben haben, die einen mit einem transparenten Kalkstein überdachte Räume hatten. Auch dort gab es den am Vortag erwähnten Tophet, Begräbnisplatz für Kinder, allerdings deutlich kleiner als in Sant’ Antioco. Auch hier wieder eine wirklich gelungene Ausstellung, zum Anfang wurde uns ein kurzer Film (sogar auf deutsch) gezeigt, wie es dort in der Blütezeit einmal ausgesehen hat.

Zwischendurch lief uns noch eine Selbstwaschanlage über den Weg und wir haben unseren Garibaldi erst einmal von der ganzen Vogelkacka befreit. Das passiert, wenn man unter Bäumen steht. Nach der Anreise zu unserem aktuellen Platz direkt an der Westküste – der Strand in Sichtweite, Meeresrauschen im Ohr und eine frische Brise um die Nase – ist der Camper wieder schön verstaubt und von der ganzen Putzerei nicht mehr viel zu sehen. Dafür konnten wir schon unseren ersten Sonnenuntergang bestaunen, dafür ist die Westküste ja bekannt. Die eine oder andere Schwärmerei dazu lässt sich hier im Blog finden, über die Westküste habe ich schon einmal ausführlich berichtet.

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